Arbeitswelten 4.0: Vision vs. Realität

In meinem vorigen Blogbeitrag stellte ich Ihnen das Projekt des Fraunhofer Instituts vor, das sich der Arbeitswelt im Jahre 2025 widmet. Der heutige Teil widmet sich der Frage, welche Punkte dieser Vision der „Arbeitswelten 4.0“ heute bereits Realität sind.

Die Digitalisierung ist einer der Kernpunkte, mit denen sich die Vision „Arbeitswelten 4.0“ befasst. Aufgrund der Tatsache, dass sich soziale Netzwerke in jeder möglichen und unmöglichen Form etabliert haben, pflegen Privatnutzer und Firmen bereits heute ihr internettes Erscheinungsbild. Da die privaten User Präsenz in den Social Networks zeigen, kommen immer mehr Unternehmen dahinter, wie wichtig auch eine Firmenpräsenz, ja wie wichtig der direkte Kontakt zur Zielgruppe geworden ist. Sehen und gesehen werden, sich darstellen, als Firma genauso wie als privater User. Oder als Bewerber: Ein hervorragendes und beeindruckendes Beispiel voranschreitender Digitalisierung habe ich mit Christine Heller alias Punktefrau gefunden: Frau Heller bewirbt sich im World Wide Web mit einem Blogbeitrag, einem PDF-Lebenslauf als Infografik und einem sympathischen Vorstellungsvideo.

Auch das Thema Cloud Computing, das das Fraunhofer Institut anspricht, ist bereits präsent: Eine IDC-Studie aus dem Jahre 2012 kommt zu dem Ergebnis, dass „Cloud Computing nun seinen Weg in die Unternehmen“ findet. Das vernetzte Arbeiten von überall, wo es einen Internetanschluss gibt, ist laut dieser Studie „flächendeckend angenommen“, wenngleich die Intensität der Nutzung noch variiert. Möglichst sämtliche Bereiche decken erst 23 Prozent der Unternehmen mit Cloud Services ab, 38 Prozent der Studienteilnehmer decken einen Bereich ab, lediglich vier Prozent haben sich mit Cloud Computing noch gar nicht beschäftigt und drei Prozent schließen Cloud Services für sich aus. Interessantes Zahlenmaterial, das die Frage nach der Sicherheit aufwirft, die die Studie ebenfalls anschneidet: Die Konzepte, die derzeit heiß diskutiert werden, seien gereift. Man setzt sich mit der IT-Security auseinander – ein unausweichlicher Schritt, denn künftig werden wir immer und immer mehr Daten in den virtuellen Wolken sammeln und verarbeiten.

Die Digitalisierung sorgt für vermehrte Individualisierung, heißt es im Video des Fraunhofer Instituts. In Zukunft werden private und geschäftliche Aktivitäten dazu beitragen, individualisierte Angebote zu erhalten. Anzeichen davon sind schon mehr als sichtbar: Ihre Rabatt- beziehungsweise Punktesammelkarte, die Sie beim Einkaufen verwenden, sorgt für personalisierte Werbeangebote. Ihre Vorlieben in sozialen Netzwerken wie Facebook sorgen für entsprechende Werbeeinblendungen. Ihre Gewohnheiten werden dafür genutzt, Ihnen Güter, Dienstleistungen, aber auch Serviceangebote zu präsentieren, die Ihrem Leben entsprechen. Ein Beispiel gibt uns ein Radioprojekt in Bayern: Das Bayerische Wirtschaftsministerium fördert ein Softwaresystem für Rundfunksender, das dafür sorgt, dass die Hörgewohnheiten der Hörer beeinflussen, welche Musik gespielt wird. Das Netzwerk last.fm nutzt eine ähnliche Technologie: Durch sogenanntes „Scrobbeln“, was nichts anderes bedeutet, als aus Ihren Hörgewohnheiten zu lernen, wird Ihnen ein Musikkatalog zur Verfügung gestellt, der sich an Ihrem Musikgeschmack orientiert. Übertragen aufs Business könnte das dazu führen, dass Vakanzen den Weg zu Ihnen finden – auf der Grundlage Ihres bisherigen Lebenslaufs würden Anforderungen und das, was die Firma Ihnen bieten kann, auf Ihren bisherigen Jobs beruhen.

Mit zentralen Regelungen für die Ablage, digitalisierten Ordnerstrukturen und fest definierten Plätzen für gemeinschaftlich verwendete Arbeitsmaterialen werden Routinearbeiten jetzt schon vereinfacht. Vielfach setzen Unternehmen auf digitale Dokumentenmanagementsysteme (DMS), die die Ablage extrem vereinfachen und schon seit einigen Jahren den Weg ins papierlose Office ebnen. Die Werkzeuge existieren bereits. Sie werden allerdings noch recht sparsam eingesetzt, besonders im Mittelstand. Häufig müssen für den Einsatz dieser Tools Investitionsentscheidungen getroffen werden. Wollen Einkäufer Kosten sparen und IT-Manager auf Sicherheit setzen, denken einzelne Abteilungen in Unternehmen heute noch eher in ihrem eigenen Kompetenzrahmen. Hier ist davon auszugehen, dass das große Ganze künftig mehr im Blick sein wird: Nach und nach wird es in jeder Agenda von Geschäftsführern stehen, unnötig komplexe Routinearbeiten systematisch und kontinuierlich zu reduzieren.

Vor Jahren kam mit „Work-Life-Balance“ ein Trend auf, der zeigte: Mit mehr Lebensqualität fördern wir unsere Leistungen. Dieses Konzept hat den Grundstein gelegt für einen Trend, der voranschreitet: In diesem Blogbeitrag habe ich mich der Thematik „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ durch Wertschätzung bereits gewidmet und stelle Ihnen Positivbeispiele vor. Dieses Wohlfühl-Konzept schlägt sich auch in der Optik von Räumlichkeiten nieder: Offene Bürolandschaften geben die Möglichkeit zur Teamarbeit, aber auch die des Rückzugs. Gleichzeitig werden Räumlichkeiten für Besprechungen und Konferenzen geschaffen. „Begriffe wie open space office, Business Club, lean office, flexible office oder non-territorial office“ gehen durch die Führungsetagen, beschreibt die GeSK Gesellschaft für empirische Sozialforschung und Kommunikation mbH den Trend.

Neben dem Cloud Computing ist das Cloud Working ein großes Thema, das polarisiert: Gewerkschaften sehen es skeptisch. Und die TAZ schreibt: „Offenbar besteht derzeit ein größerer Bedarf an solchen Cloud-Systemen. So gab das amerikanische IT-Unternehmen Saba Ende März bekannt, eine „revolutionäre“ Software für People Clouds entwickelt zu haben. Das Unternehmen brüstet sich damit, dass ein neuer „People Quotient“ es möglich mache, „den Einfluss, die Reputation und die Wirkung“ der jeweiligen Arbeitskräfte zu messen. Saba erwartet im Bereich solcher „sozialen Software-Produkte“ ein Wachstum von fast 40 Prozent in den nächsten fünf Jahren.“ Die TAZ-Redaktion verweist auf die Gefahr „trauriger Tagelöhner“. Andererseits bleibt zu betonen, dass eine imageschädigende Personalpolitik in einer (Echtzeit-)vernetzten Welt für Unternehmen nur schwer möglich ist. Denken Sie an das jüngste Beispiel Amazon: Seit der ARD-Dokumentation „Ausgeliefert!“ muss sich das weltweit größte Versandhaus den Vorwürfen stellen und mit dem Imageschaden leben. Cloud Working bringt schlechte Personalpolitik an die Öffentlichkeit und das Bewusstsein für „weiche“ Unternehmenseigenschaften dürfte sich sowohl bei Mitarbeitern als auch bei Endkunden sowie Zwischenhändlern massiv wandeln. Genau diese öffentliche Transparenz über gute und schlechte Zustände in Unternehmen wird einen politischen beziehungsweise systemischen Wandel hervorrufen. Schon jetzt werden Gesetze multinational abgestimmt. Auf europäischer Ebene wird es, davon können wir ausgehen, verbindliche Standards geben, die das Arbeiten aus der Cloud regeln. Als zweites Modell neben dem Cloud Working wird die Care Company angesprochen. Es wird nicht so kommen, dass sämtliche Arbeitskräfte „ausgeliehen“ und projektweise bezogen werden. Freie Mitarbeiter können ebenfalls langfristig helfen, während angestellte Mitarbeiter vom Studium an durch Unternehmen begleitet werden.

Der Mix aus Cloud Working und Care Company führt zu flexiblen Arbeitsplätzen, die auch heute schon Realität sind, aber noch wenig genutzt werden, schreibt die PC-Welt. Als Teil von Green-IT-Maßnahmen und des Work-Life-Balance-Konzepts ist die Flexibilität am Arbeitsplatz ein unbedingtes Muss für Unternehmen der Zukunft. Während Heimarbeitsplätze in vielen Unternehmen vermehrten Einsatz finden, macht Yahoo! gerade damit von sich Reden, dass das Arbeiten am heimischen PC für die Belegschaft ein Ende hat. In der Zentrale im Silicon Valley gilt für 11.500 Mitarbeiter ab Juni Anwesenheitspflicht. Angesichts der sich wandelnden Modelle mutet diese Entscheidung fast schon altbacken an. Die Karrierebibel hat zehn Regeln für Arbeitnehmer und Arbeitgeber aufgestellt, die nötig sind, um den Wandel vom starren Unternehmen zum flexiblen Arbeiten der Zukunft zu schaffen. Sicher fehlen in der Liste individuelle Regelungen, als ersten Einstieg kann man sie aber durchaus so stehen lassen.

Vieles aus der Vision der Arbeitswelten 4.0 ist bereits im Umbruch oder sogar schon gegeben. Nun ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis Unternehmen und Mitarbeiter die Arbeitskultur dahingehend geändert haben, dass diese Vision Realität wird. Was fällt Ihnen noch ein: Welchen Wandel haben wir in der Unternehmens- und Mitarbeiterkultur in den vergangenen Jahren vollzogen, welche davon deuten auf weitere Wandlungen hin? Ich freue mich auf den Dialog mit Ihnen!

8 Gedanken zu “Arbeitswelten 4.0: Vision vs. Realität

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